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Fachbeiträge/Fachdiskussionen

Arbeitshilfe zu Lobbyarbeit in der OKJA – Durchsetzung politischer Interessen vor Ort

 

 

Die AGOT-NRW e.V. setzt mit ihrer neu erschienenen Arbeitshilfe Lobbyarbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Eine Arbeitshilfe zur Durchsetzung politischer Interessen vor Ort ein Zeichen zur Stärkung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vor Ort und zeigt auf welche Bereiche für eine erfolgreiche Lobbyarbeit von Bedeutung sind.

 

Die Publikation richtet sich an Trägervertreter*innen, die Offene Treffpunkte betreiben, Mitarbeiter*innen von offenen Einrichtungen, Jugendpfleger*innen sowie an alle, die sich vor Ort für die Offene Kinder- und Jugendarbeit einsetzen wollen. Die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2020 bieten eine gute Gelegenheit, die Offene Kinder- und Jugendarbeit vor Ort ins Gespräch zu bringen.

 

Die Arbeitshilfe steht hier zum Download zur Verfügung.

 

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Jugendringe sind zu fördern!

 

Im April fand die jährliche Konferenz der Großstadtjugendringe unter dem Titel „Krise der Demokratie – über alte und neue Herausforderungen in der Jugend(verbands)arbeit“ in Frankfurt statt. Auf der Konferenz wurde ein sehr interessantes Papier zur Förderung von kommunalen Jugendringen verabschiedet:

 

JUGENDRINGE SIND ZU FÖRDERN

 

Kommunale Jugendringe vertreten Interessen von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Jugendverbänden, -gruppen und -initiativen, verwirklichen Kinder- und Jugendbeteiligung, gestalten Qualitätsentwicklung und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Damit Jugendringe in der Lage sind, diese Aufgaben qualifiziert zu erfüllen, müssen sie nachhaltig gefördert und ausgestattet werden.

 

Jugendringe stehen für Demokratie und Vielfalt.

Sie gestalten Gesellschaft und mischen sich ein.

 

Jugendringe sind die demokratisch legitimierten Zusammenschlüsse von Kinder- und Jugendverbänden sowie anderen Trägern der Jugendhilfe, in denen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (über ihre Verbandszugehörigkeiten, Vertretungsgremien, lokalen Jugendgruppen oder Interessengemeinschaften) organisiert und jugendpolitisch vertreten werden. Jugendringe sind für alle Belange, die Kinder und Jugendliche betreffen, zuständig und mischen sich aktiv in die Politik ein. Sie vertreten die jungen Menschen in Ort, Stadt, Kreis, Land und Bund. Damit vertreten sie einen Teil der Gesellschaft, der zum großen Teil noch nicht wahlberechtigt ist.

 

Kommunale Jugendringe und ihre Mitgliedsorganisationen stehen ein für Selbstorganisation, demokratische Grundwerte und politische Bildung. Sie gestalten aktiv mit und beziehen Position im stetigen sozialen Wandel der Gesellschaft und ihrer komplexen Bedingungen, zum Beispiel der kommerziellen, ausgrenzenden Konkurrenz zur Jugendarbeit, aktuellen Herausforderungen durch Flucht und Migration, der Ausdehnung der Betreuung im schulischen Bereich, der Digitalisierung, der Inklusion und nicht zuletzt der Kinder- und Jugendarmut.

 

Jugendringe sind aktiv und kompetent vor Ort

 

Jugendringe sind dabei kompetente Ansprechpartner, bündeln und verbreiten wichtige Informationen für junge Menschen, beraten und unterstützen die in der Kinder- und Jugendarbeit Tätigen. Gleichzeitig stehen sie Politik und Verwaltung konstruktiv zur Seite, sie reagieren auf aktuelle Entwicklungen der Kinder- und Jugendpolitik und setzen fachpolitische Impulse.

 

Jugendringe sind gemeinsam mit den Jugendverbänden Mittler für die Bedürfnisse und Interessen von Kindern und Jugendlichen, wie auch Ermöglicher für deren direkte Beteiligung an Aushandlungsprozessen für die Bedingungen ihres Aufwachsens in einer komplexen Gesellschaft. Sie sind Seismographen in Bezug auf die Notwendigkeiten, die sich einer guten und erfolgreichen Jugendpolitik und Jugendförderung stellen.

 

Jugendverbände und Jugendringe nehmen über eigene Angebote und Projekte der Kinder- und Jugendarbeit gesellschaftliche Verantwortung wahr, ermöglichen nachhaltige Freizeit-, Bildungs- und Qualifizierungsangebote im Spektrum sozialer, politischer und kultureller Bildung und sind Träger z.B. von Kinder- und Jugendtreffs und von Angeboten der offenen und mobilen Kinder- und Jugendarbeit.

 

Jugendringe sind Teil der kommunalen Jugendhilfelandschaft, Schnittstellen für eine

gute Jugendpolitik und für lokale Netzwerke in der Zivilgesellschaft

 

Als Zusammenschlüsse von lokalen Jugendverbänden entsprechend §12 SGB VIII und zahl reichen anderen lokalen Jugendhilfeträgern sind die Jugendringe eingebunden in viel fältige fachpolitische Prozesse zur Einbeziehung von jungen Menschen und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe gemäß §4 SGB VIII. Die Jugendringe sind vielerorts Teil der Jugendhilfeausschüsse, wirken kompetent im Rahmen der Jugendhilfeplanung gemäß §80 SGB VIII und Qualitätsentwicklung gemäß §79a SGB VIII mit. Insbesondere im Rahmen der Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes übernehmen Jugendringe Verantwortung indem sie Ehrenamtliche und Jugendverbände beraten und qualifizieren.

 

Zudem sind Jugendringe maßgeblich beteiligt an Arbeitsgemeinschaften nach §78 SGB VIII.

 

Kommunale Jugendringe sind Lernorte des Zusammenlebens. Sie sind Schnittstellen für eine gute

Jugendpolitik, die Lebensbedingungen von jungen Menschen positiv gestalten wollen.

Jugendringe sind Teil der demokratischen Zivilgesellschaft. Sie vermitteln zwischen jungen Menschen, Jugendverbänden, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und lokalen Öffentlichkeiten. Sie treten u.a. ein für die Anerkennung ehrenamtlichen Engagements, die Interessen von jungen Menschen und den direkten Dialog mit Jugendverbänden.

 

Den gesamten Text findet Ihr hier:

 

 

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Um pädagogische Kompetenzen und vielseitig erworbene Berufserfahrungen der einzelnen Berufsgruppen (Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter, Netzwerkkoordinatoren) in eine konstruktive und ergebnisorientierte Programmgestaltung einzubeziehen und untereinander zu stärken, bieten sich strukturierte Kollegiale Beratungen sowohl auf Peer-Ebene, also unter Kollegen im engeren Sinne, als auch mit Kollegen anderer pädagogischer Professionen an. Die zentrale Koordinierungsstelle Schulerfolg, angesiedelt bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Regionalstelle Sachsen-Anhalt, unterstützt die Akteure mit bedarfsgerechten Fortbildungen, Handlungsimpulsen sowie methodischen Materialien. Das vorliegende Themenblatt möchte als eine methodische Handreichung hierzu interessierte Pädagogen anregen und gibt konkrete Empfehlungen, wie in einer strukturierten Weise ein gewinnbringendes Miteinander unter Kollegen begonnen und längerfristig gestaltet werden kann . 

 

Hier geht's zum Themenblatt

 

 

Freiwilligen in der Kinder- und Jugendarbeit fehlt oft das Mitspracherecht

Freiwillige Helfer sind in der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung bleiben sie aber in Entscheidungs- und Planungsprozessen oft noch außen vor: Hier haben vorrangig noch die hauptamtlichen Akteure das Sagen.

 

Sie organisieren die Touren der Spielmobile, begleiten die Arbeit des Jugendzentrums vor Ort oder bringen sich als Helfer beim Abenteuerspielplatz ein: Jedes zweite Angebot in der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) verlässt sich auf die Unterstützung von freiwillig Engagierten. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Geschäftsstelle Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ), die von uns in Auftrag gegeben worden ist.

 

Damit sind freiwillige Helfer unverzichtbar für dieses Tätigkeitsfeld, das für Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zur Mündigkeit von großer Bedeutung ist: Die offene Kinder- und Jugendarbeit mit ihren Angeboten ermöglicht jungen Menschen, ihr Umfeld mitzugestalten und wertvolle Sozialkompetenzen für das Erwachsenwerden weiterzuentwickeln. Besonders für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche bieten die vielfältigen Angebote der OKJA eine große Chance: Indem sie sich gemeinsam mit anderen Kindern und Jugendlichen engagieren, integrieren sie sich in ihr Umfeld.

 

Vier von fünf freien Trägern beteiligen freiwillig Engagierte

 

Mehr als die Hälfte dieser Angebote und Leistungen wird durch sogenannte freie Träger erbracht, das heißt von gemeinnützigen Vereinen, Gesellschaften (gGmbH), Stiftungen, den Wohlfahrtsverbänden oder Kirchen. Vier von fünf freien Trägern beteiligen dabei in irgendeiner Form freiwillig Engagierte. Das heißt, diese Frauen und Männer übernehmen eine Aufgabe ohne Bezahlung oder für eine geringe Aufwandsentschädigung.

Die Daten für NRW weisen zudem aus, dass im bevölkerungsstärksten Bundesland auf einen hauptamtlich Beschäftigten gar fünf freiwillig Engagierte kommen.

 

Freiwillige werden bei Entscheidungen nicht berücksichtigt

 

Die Zahlen zeigen, dass Freiwillige in der offenen Kinder- und Jugendarbeit vielfältige operative Aufgaben übernehmen, sie engagieren sich vor allem in einrichtungsbezogenen Angeboten  – zum Beispiel in Jugendclubs, -treffs oder -zentren. Auf der Steuerungsebene wird die nicht unerhebliche Mitwirkung freiwilliger Helfer bislang jedoch noch kaum berücksichtigt. So ist das Feld der OKJA mit seinen Entscheidungsprozessen und Handlungsweisen bislang auf hauptamtliche Akteure ausgelegt. Das heißt, dass für freiwillig Engagierte zum Beispiel oft wenig transparent ist, inwieweit sie mitentscheiden können.

 

"Die vielfältigen Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland wären ohne die zahlreichen freiwillig Engagierten nicht aufrechtzuhalten", stellt unsere Engagement-Expertin Andrea Walter fest: "In der aktuellen Situation besteht jedoch die Gefahr, dass die freien Träger das hohe geleistete Engagement in diesem Feld für selbstverständlich nehmen." Dass es gelinge, dass Engagierte im Verlauf ihrer Tätigkeit motiviert bleiben, habe im Alltag viel damit zu tun, wie aktiv sie in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden würden. Daher gelte es zu prüfen, welche Möglichkeiten der Mitwirkung sich für sie böten.

 

Was jetzt zu tun ist für die Verantwortlichen in den Kommunen

 

  • Rollenverständnisse klären: Hauptamtliche und Freiwillige empfinden ihre Zusammenarbeit vorwiegend dann als gut, wenn für beide Seiten klar ist, wer welche Rolle hat und wer die damit verbundenen Aufgaben übernimmt. Auch Grenzen des freiwilligen Engagements gilt es klar zu kommunizieren, zum Beispiel wenn Tätigkeiten aufgrund von Fragen des Datenschutzes nicht von Engagierten übernommen werden können.
  • Mitgestaltungsmöglichkeiten prüfen: Freiwillige sind besonders dann motiviert, wenn sie Planungs- und Umsetzungsprozesse mitgestalten und bei Entscheidungen, die ihre Tätigkeit betreffen, miteinbezogen werden.
  • Freiwilliges Engagement wertschätzen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen: Wertschätzung ist die Währung freiwilligen Engagements. Sie drückt sich in der Kultur des Umgangs untereinander aus und auch in den Möglichkeiten, die Freiwillige erhalten, um sich auf ihre Tätigkeit angemessen vorzubereiten beziehungsweise Erlebtes zu reflektieren. Zu solchen Angeboten zählen etwa Fortbildungen oder Beratungsangebote.

 

Download der Studie

 

Die Studie "Feldvermessung: Was die einzelnen Sektoren in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie Altenhilfe leisten" steht zum kostenlosen Download auf den Seiten der Bertelsmann Stiftung zur Verfügung.

 

Hintergrund zur Studie – Projekt "Synergien vor Ort"

 

Die Studie ist im Rahmen des Projekts "Synergien vor Ort" entstanden. Ausgangspunkt für die Studie war, dass es derzeit an Wissen über die Beiträge der einzelnen Sektoren Staat, Markt, Non-Profit-Sektor und Familie in der offenen Kinder- und Jugendarbeit fehlt. Die Annahme war, dass der Non-Profit-Sektor – und hier insbesondere das freiwillige Engagement – eine weit größere Bedeutung hat, als ihm in Strukturen, Abstimmungsprozessen und in der Wahrnehmung verantwortlicher Akteure gegeben wird. Die Studie trägt existierende Studien und Daten zur offenen Kinder- und Jugendarbeit zusammen und "vermisst" dieses Feld somit erstmalig.

Grafische Darstellung der Feldvermessung (PDF, 132 KB)

 

Quelle: Bertelsmann Stiftung vom 30.06.2017

 

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